8. November 2013

Nakhon Phanom – Für Touristen uninteressant?


Wie regelmässige Leser dieses Blogs längst wissen, treibt es mich aus familiären Gründen immer wieder an den gleichen Ort in Thailand, nämlich das Nakhon Phanom Distrikt am nordöstlichsten Punkt von Thailand, nur durch den Mekong getrennt von Laos. In diesem Zusammenhang lag es natürlich nahe, sich auch einmal etwas über die Geschichte und die historische Bedeutung dieser Region heraus zu finden. In diesem Zusammenhang habe ich auch den folgenden Artikel entdeckt, der sich mit der durch das Regionalparlament beschlossenen Ankurbelung des Tourismus beschäftigt.
Im Folgenden einen frei übersetzten Text aus der „Travel Daily News“

Nakhon Phanom wird wohl nie eine primäre Destination für Tourismus werden. Aber es könnte zu einem netten Ort für erfahrene Thailand-Urlauber werden. Und speziell auch zu einer Destination für inländische Touristen, die sich vermehrt mit ihren kulturellen und religiösen Wurzeln befassen.

Nakhon Phanom liegt direkt am Mekong gegenüber der laotischen Stadt Thakek in der Khammouane Provinz. Auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick nicht so stark ersichtlich ist, so hat die Stadt Nakhon Phanom durchaus Potential um Touristen anzulocken. Dazu tragen Attraktionen wie die Uferpromenade am Mekong, die vielen netten Restaurants sowie die historischen Gebäude in der Altstadt bei. Trotzdem würden diese Attraktionen alleine noch keine Thailändischen Touristen von einem Stopp überzeugen. Was diese Thais hingegen zu einem Aufenthalt bringen könnte, sind die acht grossen Buddhisten-Tempel, die alle so in der Nähe von einander liegen, dass sie durchaus in einem einzigen Tag besucht werden könnten.
Daher startet die Stadt nun einen Versuch um den budhistischen Tourismus in der Region zu fördern und die buddhistischen Relikte der Region besser zu vermarkten.

Der Besuch der Buddha Reliquien von allen sieben Tagen der Geburt, wie sich der Rundgang korrekterweise nennt, beginnt mit dem Phra That Phanom, der berühmteste Tempel der Region mit vielen wichtigen Reliquien Buddhas. Generell dieser Tempel unter Buddhisten als glückverheissend für Menschen, die am Sonntag oder im Jahre des Affen geboren wurden. Der Tempel wurde wiederaufgebaut nachdem die Stupa, ein buddhistisches Bauwerk das Buddha und den Dharma symbolisiert, nach der grossen Flutkatastrophe 1975 zusammenbrach. Aber auch generell war der Tempel schon immer ein spirituelles Zentrum für die Menschen des Nordosten Thailands und Laos.

Am Montag geborene Gläubige hingegen besuhen vor allem den Tempel Phra That Renu. Im Tempel drinnen können Besucher neben goldenen und silbernen Bildern Buddhas auch Juwelen von alten Herrschern und Gouverneuren finden.

Der Phra That Sri Khun im Na-Gae Distrikt ist der bedeutendste Tempel für die am Dienstag geborenen und der Phra That Mahachai im Pla Pak Distrikt bringt das Glück für die am Mittwoch Geborenen.

Aus künstlerischer Sicht der am meisten überraschendste Tempel ist sicher der Donnerstag-Tempel, der sogenannte Wat Phra That Prasit. In der Haupthalle hat es an der Wand Gemälde die in den frühen 50er Jahren entstanden sind und gewisse Änhlichkeiten mit Comics aus derselben Zeit haben. Es scheint fast so, als habe der Künstler seine Inspiration aus einem Marvel-Comic aus dieser Zeit entnommen hat. Wenn man die Bösewichte und die betenden Frauen mit ihren Frisuren anschaut so ist eine gewisse Ähnlichkeit nicht von der Hand zu weisen.

Der Phrat That U-Ten enthält dagegen Reliquien, die von am Freitag geborenen Personen verehrt werden. Selbst Nicht-Gläubige bewundern die dortige Stupa mit ihren aufwändigen und feinen Skulpturen.
Der am meisten entzückende Tempel ist der 1757 erstellte Phra That Nakhon für am Samstag geborene Gläubige, nicht zuletzt weil er von einer wunderschönen Anlage mit Weiden und Bäumen umgeben ist, die zum Verweilen und Meditieren geradezu einladen.

Obwohl die Tempel und Stupas der Region eine grosse Bedeutung haben, so scheinen die Anlagen gerade für Touristen aus westlichen Ländern nicht sehr interessant zu sein, zumal auch nur spährlich Informationen in englischer Sprache vorhanden sind. Falls mehr Informationen und Beschilderungen in Englisch vorhanden wären, würde auch den westlichen Touristen mehr bewusst, was für eine wichtige und interessante Geschichte die Region Nakhon Phanom zu bieten hat. Dazu kommt, dass die Lage der Stadt am Mekong an der Grenze zu Laos sich auch in der Architektur der Stadt reflektiert. Wie auch einige andere Städte in der Region hat Nakhon Phanom zum Beispiel eine beachtliche Sammlung an Häusern und Villen im französischen Stil.




Die spektakulärsten Gebäude und Anlagen sind dabei die ehemalige Residenz des Gouverneur und das ehemalige Ratshaus. Beide wurden sorgfältig restauriert. Das alte Ratshaus ist heute eine Bibliothek. Mit dem gelben Anstrich und dem gepflegten Garten erinnert das Gebäude mehr an eine italienische Villa als an ein thailändisches Gebäude. 

Bei vielen kleineren Gebäuden sieht man auch klar einen Indochinesischen Einfluss, was sich sicher auch mit der grossen Vietnamesischen Gemeinschaft in Nakhon Phanom erklärt, die teils auf der Flucht vor den Kolonialtruppen oder dem Krieg waren und in Nakhon Phanom einen neue Heimat gefunden haben. Was dabei die wenigsten wissen ist, dass einer der wichtigsten und berühmtesten Vietnamesen, Ho Chi Minh persönlich von 1929 bis 1931 im Exil in Nakhon Phanom war. Aus seinem kleines hölzernes Haus wurde später dann ein kleines Museum. So kann es auch sein, dass der heutige Gärtner gerne ein paar Bäume und Pflanzen zeigt, die Ho Chi Minh persönlich angepflanzt hatte. Das Haus selber wirkt heute fast ein wenig wie ein Pilgerort mit den vielen Bannern und Pflanzen, die um einen Schrein liegen, der Ho Chi Minh gewindmet ist.
Ein kleines Bisschen kommunistische Geschichte findet sich also in diesem unscheinbaren thailändischen Haus. Eigentlich auch ein (wenn auch etwas spezieller) Grund dafür, Nakhon Phanom mal einen Besuch abzustatten.

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