Das Schicksal meint es nicht gut mit uns.
Es reicht nicht, dass praktisch alle näheren Verwandten im Bett mit
Magenverstimmungen liegen, nein, auch in Bangkok müssen die Proteste genau in
der Woche, in der wir hinfliegen wollen ihren vorläufigen Höhepunkt haben. Geplant
ist unser Flug am Donnerstag Abend, Ankunft Bangkok lokal am Freitag um 18 Uhr.
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| Bildquelle: flickr: K.rol2007 |
Ich werd es jetzt hier an der Stelle sein lassen, mich detailliert zu
den Ausschreitungen in Bangkok zu äussern. Auch die Bewertung der verschiedenen
Lager, so nach dem Motto das sind die Guten und das sind die Schlechten lasse
ich jetzt mal sein. Wenn es eines gibt, was ich über die politische Situation
in Thailand lernen musste, dann ist es die Tatsache, dass sich die Lager nicht nach
unserem Links-Rechts-Schema einordnen lassen und dass es genauere Kenntnisse,
historische sowie gesellschaftliche, braucht um die politische Lage wirklich
beurteilen zu können . Viele Vorgänge mögen gerade auf Westliche mit einem
anderen Demokratieverständnis eher befremdlich wirken. Was aber recht
offensichtlich ist, ist die Tatsache, dass es bei diesen Protesten um weit mehr
als um das ursprüngliche Amnestiegesetz oder die Absetzung der Präsidentin
geht. Es geht nicht zuletzt auch um Macht, Geld und Einfluss der verschiedenen
Bevölkerungsgruppen. Zusätzlich hat der Konflikt auch eine gewisse regionale
Komponente.
Und wo stehen wir:
Meine Frau kommt bekanntlich aus dem Nordosten. Auf der politischen
Karte gilt dieses Gebiet als von Rothemden dominiert. Dementsprechend ruhig ist
es in diesen Regionen im Moment. Die Elite und der Mittelstand aus der Umgebung
von Bangkok und dem Süden hingegen gehört politisch zu den Gelbhemden. Auch unter
Expats, sprich Thais die im Ausland leben, finden sich sehr viele Anhänger der
Gelbhemden.
Meine Frau, als politisch nicht sehr engagierter Mensch steht da
irgendwo dazwischen. Auf ihrer Facebook-Timeline wechseln sich also
Pro-Rothemden mit Pro-Gelbhemden Posts ab.
Ich finde es ist nicht angebracht, mit meiner nur oberflächlichen
Kenntnis der politischen Landschaft Thailands hier ein Urteil zu fällen oder
die Vorgänge nach westlichen Kriterien zu beurteilen.
Ich befürchte einfach, dass mit der aktuellen Situation am Schluss
beide als Verlierer dastehen, weil der Tourismus und dadurch einer der
wichtigsten Wirtschaftszweige mit Rückgängen zu kämpfen haben wird. Und daran
sollte ja niemand ein Interesse haben.
Wie es weitergeht steht im Moment noch in den Sternen. Von früheren
Jahren weiss ich, dass die Medien die Situation vor Ort oftmals schlimmer
darstellen, als sie wirklich sind.
Durch Freunde, die sich im Moment in Bangkok aufhalten, sowie durch
verschiedene Verwandte meiner Frau wissen wir, dass die Situation im Moment,
solange man sich an ein paar Grundregeln hält und die entsprechenden „Hot Spots“
meidet, nicht gross in Gefahr begibt. Das der Stand heute Montag, 4 Tage vor
Abflug. Selbstverständlich haben wir, da wir m it unserem Kleinen reisen, bereits
gewisse „Notfallszenarien“ erarbeitet, falls vor allem der Transport in die
Stadt nicht möglich sein sollte. Sicher ist aber, dass wir sicher kein Risiko
eingehen werden und im Notfall einfach direkt zu den Eltern meiner Frau reisen
und unseren Aufenthalt in Bangkok streichen. Aber im Moment bleibt uns einfach
nicht viel anderes übrig als mit einem etwas mulmigen Gefühl abzuwarten und zu
schauen, wie sich die Situation in den paar nächsten Tagen entwickelt.

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